Interview mit dem Kranführer Hein Brandt

Kranführer Hein Brandt

Frage:
Ab wann hast Du mit dem Elektrokran vom Fabrikat Bamag-Meguin gearbeitet?

Frage:
Ist man LKW-Fahrer und kann auch Kran fahren?

Antwort:
Ich habe in Düsseldorf richtig eine Ausbildung erhalten auf dem Gottwald- Kran, der auch am Hafen war. Das war ein Autokran. Der Elektrokran wurde im Krieg von von Schassen bedient. Dann kam Bernhard Meier. Der hatte ein Glasauge und durfte nicht mehr und wurde abgelöst von Arthur Großwendt. Für den kam ich.

Frage:
Erinnerst Du Dich an die Anfänge der DOW?

Antwort:
Die Pier in Bützfleth war noch nicht fertig und da wurden Gebinde von immer 6 Fässern zu uns an den Hafen gefahren und vom E-Kran auf Schuten gesetzt und damit nach Hamburg zum umladen transportiert. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich ganz besonders an den Besuch des engl. Fotografen Peter Townsend. Er hat oben vom Kran fotografiert für die DOW.

Frage:
Habt Ihr dem Kran auch mal etwas mehr zugemutet als die 5 to. in der Mitte und 2, 5 to. am Ende vom Ausleger?

Antwort:
Nein, denn wir wurden regelmäßig auch vom TÜV überwacht. Der Kran hatte nämlich auch einen Überlastregler. Nach dem Bruch des Drehkranes wurde vom TÜV generell auf 2,5 to. Tragfähigkeit begrenzt.

Frage:
Gibt es Erinnerungen an spektakuläre Lasten?

Antwort:
Eigentlich ging es immer um Kohle - hauptsächlich für die Stadtwerke. Das war Schmiedekohle die zur Kokerei kam. Dafür hatten die Stadtwerke eine eigene Lokomotive und 4 Anhänger. 2 davon wurden beladen und weggefahren und währenddessen die beiden anderen beladen. Der Kran hatte für die Eisenbahn ein eigenes Gleis und über die Weichen hinten beim Hafenhaus erfolgte der Anschluß an die Industriebahn, die vom Bahnhof kam.

Frage:
War Kranführer eigentlich ein Fulltimejob?

Antwort:
Wenn ein Schiff da war, mußte es leer gemacht werden. Ich war immer bei den Stadtwerken beschäftigt und mein oberster Chef war der Geschäftsführer Schirmer. Das war ein ganz besonderer Mensch. Einmal hat er, als wir morgens anfingen, gesagt, um 12.00 Uhr ist Schluß. Als ich mich nach dieser Anweisung verhielt, kam er und fragte, ob ich keine Luste mehr hätte. Natürlich hatte ich, denn die LKW waren da und das Schiff noch nicht leer. Das war ganz schwierig, sich auf diesen Chef einzustellen und merkwürdigerweise hat der sich ganz viel um die Kräne gekümmert.

Frage:
Ist der Kran zu Deiner Zeit noch als Waage eingesetzt worden, was ursprünglich der Fall war?

Antwort:
Nein, dafür gab es doch die Fuhrwerkswaage und da war der Hafenmeister Gleis, nachdem Gooßen Rentner geworden war.

Frage:
Wohnte der Adolf Gleis als Hafenmeister im Baumhaus?

Antwort:
Nein, der wohnte doch in der Breslauer Straße.

Frage:
Gibt es - nochmals gefragt - Erinnerungen an besondere Güter?

Antwort:
Wir haben ganz viel Langholz für Hagenah-Borcholte entladen. Die kamen auf Spezialanhänger und wurden rüber gefahren.

Frage:
War der Kran schwierig zu bedienen?

Antwort:
Eigentlich nicht. Die Wika-Beton hatte in der Kabine alles modernisiert mit Sessel und vielen kleinen Knöpfen. Was nicht funktioniert hat, war der elektrische Greifer. Der war zu klein und das Kabel hat sich immer auf der Trommel aufgedreht. Mit geöffnetem Greifer ging es in den Laderaum. Beim Aufsetzen wurde geschlossen und dann bis zur Glocke hochgezogen vor dem Schwenken.

Frage:
Als der Gottwald-Autokran am Hafen war, kam da der Bamag-Meguin mehr und mehr auf's Abstellgleis?

Antwort:
Nein. Das hat lange gedauert. Ein ganz großer Höhepunkt war der Kraftwerksbau in Bassenfleth. Alle Materialien kamen über den Hafen und wurden von Fa. Schlichtig gefahren. Da war tüchtig was zu tun. Ich habe 1 Schiff und der Gottwold 3 Schiffe geschafft von 200 to.

Frage:
Wenn ein Schiff leer war, gab es dann eine Buddel "Schluck"?

Antwort:
Ja, das gehörte dazu - auch für die Besatzung und ganz besonders der Kapitän des Schiffes, der auch die Flasche spendierte.

Frage:
Was war denn so tägliches Geschäft an Ladung?

Antwort:
Früher war es hauptsächlich die Kohle, dann kam eine Zeit lang viel Schlacke und zur Wika-Zeit war es hauptsächlich Kies.

Frage:
Habt ihr auch Schiffe d. h. Sportboote aus dem Wasser geholt?

Antwort:
Da erinnere ich mich nur, daß der Gottwald das gemacht hat z. B. mit Nagel's Schiff. Das wog 8 to.

Frage:
Wie ist der denn in die Freiburger Str. gekommen?

Antwort:
Die Hansestraße war noch nicht da und dann ging es mit dem Schiffstransporter aber auch ich mit dem Gottwald-Kran durch die Salzstraße über den Fischmarkt und durch die Kehdinger Straße. Im Winter hat der Gottwald bei den Stadtwerken auf dem Hof die Kohle verladen.

Frage:
Gibt es besonders spaßige Erlebnisse?

Antwort:
Eigentlich war es immer ganz lustig - so mit alle Mann. Das war schon eine gute Truppe. Das betraf die Wechselspiele mit dem Chef Schirmer, aber z.B. auch mit dem Zoll. Der kam natürlich auch immer mal vorbei und mit dem mußte man sich gut stellen. Einmal kamen sie vorbei und da hatten wir gerade unsere Buddels
bekommen. Da sagte der Zoll, die Flaschen werden nicht mit nach Hause genommen. Was blieb uns, als unter Zollaufsicht uns auf die Motorhaube zu setzen und die Flasche leer zu trinken. Dann sind wir nach Hause gefahren.

Frage:
Gab es nicht einen Vorgesetzten, dem derlei Dinge mißfielen?

Antwort:
Ja, natürlich. Ganz besonders der Gasmeister von den Stadtwerken. Dem unterstanden wir. Wenn er kam und schimpfen wollte, gingen wir in den Kran nach oben. Da kam er nicht mit - notfalls ging es auf den Ausleger.

Frage:
Gab es andere besondere Erlebnisse?

Antwort:
Ja. Einmal, nur einmal hatte ich verschlafen. Da war ich erst um 2.00 Uhr nach Hause gekommen und um 5.00 Uhr wollten wir anfangen zu arbeiten. Da standen die bei mir vor der Tür unter Führung von Attje Gleis und fragten: Was ist mit Dir denn los? Da habe ich gesagt, ich wäre erst um 3.00 Uhr zuhause gewesen.

Frage:
Sonstige besondere Ereignisse?

Antwort:
Der Gottwald war wesentlich schneller. Es konnten nur 2 Schiffe hintereinander am Kai liegen und wenn ein Schiff leer war, mußte verholt werden. Das leere zog raus und der Kran holte sich das volle an die Pier. Das ging mit Seil überlegen und über Kupplung auf Winde.

Frage:
Warst Du dabei, als das neue Getriebe von Demag eingebaut wurde?

Antwort:
Ja, da war ich dabei. Das war in den 60-er Jahren.

Frage:
Warst Du dabei, als die Königsachse repariert wurde und neue Muttern erhielt?

Antwort:
Ja, das hat alles die Fa. Tiedemann und Capell gemacht. Die Firma hat auch am Ausleger geschweißt. Das ging alles und was Dr. Schneider dazu gesagt hat, konnte ich nicht nachvollziehen.

Frage:
Was passierte, wenn ein Schiff leer wurde?

Antwort:
Dann mußte der Moses und die Mannschaft den Laderaum sauber fegen und der Käpt'n fuhr mal eben nach Hause. Die waren doch alle von hier. Einer war dabei, der hieß Schröder, der hatte mit seinen 80 to. nur 1 Luke und die war ganz klein und da mußte die Ladung immer unter die Luke geschaufelt werden. Als die Wika dabei war, wurden die Schiffe größer und auch die Luken und da hatten wir dann so einen kleinen Schieber angeschafft, der in den Laderaum reingesetzt wurde. Da wurde der Zeitfaktor wichtig.

Frage:
Was würdest Du sagen, gab es ein besonderes glückliches Ereignis?

Antwort:
Schön war es immer und wir waren jedesmal glücklich, wenn ein Schiff leergemacht worden war - nicht wur wegen der Buddel Schluck .

Frage:
Wenn es viel Spaß gegeben hat, gab es dann auch traurige Vorfälle z. B. Unfälle?

Antwort:
Nein! Haben wir nicht gehabt, solange ich da war und vorher auch nicht.

Frage:
Wie ging das denn so mit der HBG?

Antwort:
Ich war immer bei den Stadtwerken. Die hatten mit der Wika die HBGFederführung bei der Wika, die auch die Leute stellten. Nur wenn ich kranen mußte, wurde ich abgestellt und für mich mußte ein Wika-Mann zu den Stadtwerken. Der wurde dort im Leitungsbau eingesetzt - anfangs mit 9 Stunden und später mit 8 Arbeitsstunden. Ich mußte aber 12-13
Stunden machen und bekam Überstunden nicht bezahlt. Das war nicht vorgesehen. Trotzdem wollte ich immer bei den Stadtwerken bleiben u. a. auch wegen der Zusatzversorgungen.

Frage:
Warst Du traurig, als der Kran außer Betrieb kam?

Antwort:
Nicht sofort, weil ich mit dem Gottwald in Stadersand arbeitete. Erst als ich dann hörte, daß auf Anweisung von Herrn Hinrichs alles aus dem Kran ausgebaut worden ist, wurde ich traurig. Die große Schalttafel soll wohl zur Berufsschule gekommen sein. Ich habe für mich nur die Schaltuhr für den Tannenbaum mitgenommen.

Frage:
Weißt Du, daß der Schaft für den Tannenbaum bei der Renovierung neu aufgebaut wurde?

Antwort:
Das mußte ja auch wohl und ein Kabel habe ich da auch schon gesehen.

Frage:
Hast Du noch irgendwelche Anregungen und Vorschläge, was bei der Renovierung berücksichtigt werden sollte?

Antwort:
Das Seil muß wieder her. Das konnten wir am Greifer lösen und dann anders mutzen.

Frage:
Bist Du noch ein wenig traurig?

Antwort:
Na, ja. Ist doch natürlich, wenn man den Kran so lange gefahren hat und es eine schöne Zeit war.

Frage:
Mußte man viel Rücksicht auf Ebbe und Flut nehmen?

Antwort:
Die Schiffe mußten richtig festmachen.

Frage:
Warum das denn?

Antwort:
Da war doch die Schleuse und wenn der Schleusenwärter die richtig aufmachte, gab es einen gewaltigen Strom. Einmal hatte sich ein Schiff ganz losgerissen. Das lag drüben bei Hagenah-Borcholte. Das habe ich mit dem Kran wieder an die Stadtseite gezogen. Danach hat der Schleusenwärter Edler immer vorher Bescheid gesagt, wenn er stürzen lassen wollte. "Schiffe
ordentlich festbinden".

Frage:
Haben wir alle wichtigen Dinge angesprochen? Wenn Dir noch was einfällt, kannst Du es ja noch nachtragen.

Schlußwort:
Na! Mit dem Schirmer haben wir immer unseren Spaß gehabt. Es war eine schöne Zeit. Jetzt muß ich zum Mittagstisch und schön, daß der Kran restauriert wird. Schade, daß es sein Innenleben nicht wieder kriegt.

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