Bild1: Kranwinde
Bild2: Postkarte von 1934
Bild3: Foto aus den 60er Jahren
Bild4: Foto aus den 70er Jahren

1.Die Geschichte des Krans

Die Geschichte des Krans ist untrennbar mit der Geschichte der Stader Häfen verbunden.

Über Jahrhunderte hinweg war der alte Hanse-Hafen, zwischen Hudebrücke und Baumhausbrücke gelegen, der wichtigste Stader Umschlagplatz. Mit dem Größenwachstum der Schiffe kam jedoch irgendwann die Zeit, als dieser Hafen schlicht nicht mehr ausreichte. Größere Schiffe kamen gar nicht mehr bis nach Stade, sondern mussten ihre Ladung auf der Reede vor Brunshausen auf kleinere Schiffe umladen, die dann den Stader Hafen anliefen. Erst durch verschiedene Regulierungsmaßnahmen am Schwingelauf konnten auch Seeschiffe wieder den Stader Hafen erreichen. Der Burggrabenabschnitt zwischen Schwinge und Salztorsschleuse, der bereits seit Jahrhunderten als Schiffsliegeplatz genutzt wurde, diente nun erneut als provisorischer Anlandungsplatz.

Erst nachdem sich das Militär Ende der 1870er Jahre aus der Stadt zurückzog und die Festungsanlagen in den Besitz der Stadt übergingen, wurde an oben genannter Stelle mit dem Bau eines neuen Hafenbeckens begonnen. Zu diesem Zweck wurden die Burgbastion und die Wälle am Salztor abgetragen. Dies geschah in den Jahren 1880/81. Auf der Stadtseite des neuen Hafenbeckens wurde eine aus Backstein gefertigte Kaimauer errichtet. Die gegenüberliegende Seite erhielt eine grasbewachsene Uferböschung mit vorgesetzten Streichpfählen und eine Ladestrasse.

Auf der stadtseitigen Kaimauer wurden 1881 drei eiserne handbetätigte Kranwinden (Bild 1) errichtet, mit denen der gesamte Güterumschlag abgewickelt wurde. Diese drei Winden wurden dann durch einen modernen Hafenkran ersetzt.

Im Jahre 1927 wurde der Entschluss gefasst, am Neuen Hafen einen modernen Kran zu errichten, der den gestiegenen Anforderungen im Güterumschlag besser gewachsen sein sollte. Die bereits erwähnten Handwinden waren nicht mehr zeitgemäß und mit den umzuschlagenden Gütermengen überfordert.

Man entschied sich schließlich für einen Portal-Drehkran des Berliner Herstellers Bamag-Meguin. Dieser Kran war als Schienen-Laufkran konstruiert und konnte fast auf der gesamten Länge der Kaimauer verfahren werden. Somit mussten die Schiffe zum Be- und Entladen nicht mehr zum Kran verholt werden, sondern der Kran kam zu den Schiffen. Dies bedeutete für den Ablauf des Warenumschlags eine erhebliche Vereinfachung. Der Antrieb des Krans erfolgte elektrisch über ein in der Erde verlegtes Starkstromkabel. Damit war der Kran seinerzeit ein hochmodernes Gerät. Schließlich gab es damals noch viele Hafenkrane, die mit Dampf oder druckwasserhydraulisch angetrieben wurden.

Im August 1927 wurde der Kran vom Hersteller angeliefert, so dass mit dem Aufbau begonnen werden konnte. Am 30. August des Jahres fand die Abnahmeprüfung statt, bei der alle Funktionen des Krans getestet wurden. Der Kran war an der Spitze des Auslegers für eine Tragkraft von 2.500 kg ausgelegt. Auf halber Höhe des nicht verstellbaren Auslegers betrug die Tragkraft 5.000 kg. Während der Prüfungen bewältigte der Kran sogar höhere Belastungen spielend. Am Sonnabend den 3. September 1927 wurde der damals noch grün gestrichene Kran dann dem Betrieb übergeben. Betreiber des Krans war zu dieser Zeit die Stadt Stade.

In den folgenden Jahren verrichtete der Kran seinen Dienst zur allgemeinen Zufriedenheit. (Bild 2) Der Neue Hafen diente vorwiegend dem Umschlag von Massengütern. Dazu zählten u.a. Brennstoffe für die Stader Gasanstalt, Holz, Baumaterialien und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Aufgrund dieser Tatsache sagen manche alteingesessenen Stader, dass die Energieversorgung der Stadt größtenteils durch den oben beschriebenen Hafenkran gesichert wurde. In diesen Jahren erlangte der Kran seinen Status als maritimes Wahrzeichen der Stadt Stade.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam zwar die Personen- und Fährschifffahrt endgültig zum Erliegen, die Frachtschifffahrt nahm hingegen rapide zu. Zusätzlich zu dem Schienen-Laufkran wurde ein Autokran angeschafft. 1957 musste die inzwischen baufällig gewordene Backstein-Kaimauer durch eine stählerne Spundwand ersetzt werden. In diesem Zeitraum wurde auch das Schienenlaufwerk des Krans entfernt. Stattdessen wurde der Kran am östlichen Ende des Hafens fest verankert. Zu dieser Maßnahme hatte man sich entschlossen, da durch das Verfahren des Krans auf der Kaimauer diese immer wieder Schaden genommen hatte. Nun mussten die Schiffe wieder wie früher zum Be- und Entladen an den Kran verholt werden. (Bild 3)

Bis Ende der 60er Jahre hielt der Aufschwung im Stader Güterumschlag an. Danach verlagerte sich das Geschehen mehr und mehr nach Stadersand an der Schwingemündung. Bedingt durch starke Tideabhängigkeit und zunehmende Verschlickung der unteren Schwinge war der Stader Hafen nicht mehr konkurrenzfähig genug.

Zu dieser Zeit machte der Umschlag für Wika Beton in Wiepenkathen einen Großteil der anfallenden Arbeit aus. Deshalb übernahm diese Firma auch den fälligen Neuanstrich des Hafenkrans und strich ihn in den Firmenfarben rot und gelb. (Bild 4) Gleichzeitig wurde auch der Bedienstand des Krans modernisiert. Der Kranfahrer erhielt erstmals eine Sitzmöglichkeit und zwei kleinere Bedienhebel, eine Art Vorläufer der modernen Joysticks. Bis dahin wurde der Kran mit zwei großen Hebeln im Stehen gesteuert.

Bild5: Foto aus den 70er Jahren
Bild6: Foto von 1992

2. Der Kran wird stillgelegt

Gegen Ende der 70er Jahre verlagerte Wika Beton ihre Umschlaganlagen jedoch ebenfalls nach Stadersand. Damit war der Hafenkran nahezu beschäftigungslos geworden und wurde 1980 stillgelegt. Kurz darauf stand dann zum ersten Mal der drohende Abriss zur Diskussion. Doch schon damals meldeten sich Stimmen, die den Kran als historisches Wahrzeichen für das maritime Erbe der Stadt erhalten wollten.

Da die Hafenbetriebsgesellschaft, die zwischenzeitlich auch Kranbetreiberin geworden war,  keine Verwendung mehr für den Kran hatte, wollte man ihn der Stadt Stade schenken. Die Mehrheit im Verwaltungsausschuss lehnte das Angebot jedoch ab. Daraufhin gründete sich die Bürgerinitiative „Rettet den Hafenkran“, zu der unter anderen der Stadtdirektor Dr. Schneider und der Sparkassendirektor Lohmann gehörten und die sich die Restaurierung und den Erhalt des Krans zum Ziel gesetzt hatte. Schon nach kurzer Zeit entstand aus der Bürgerinitiative ein Verein.

Am 17. September 1984 übergab die Hafenbetriebsgesellschaft den Kran dann an den „Verein zur Erhaltung stadtprägender bedeutsamer Gebäude und Einrichtungen“. Die Restaurierung sollte durch Spenden finanziert werden. Es dauerte jedoch noch zwei Jahre, bis der Verein die notwendigen Mittel beisammen hatte. Die eigentliche Restaurierung begann somit im Jahr 1986. Zu den Spendern von Sachleistungen gehörten u.a. die Stadtwerke, die die Farbe zur Verfügung stellten. Deshalb wurde der Kran nun blau gestrichen. (Bild 5)

Im Jahr 1999 ging eine weitere größere Spende ein, mit der dringend notwendige Sicherungsmaßnahmen am Kontergewicht durchgeführt werden sollten. Eigentlich wäre zu diesem Zeitpunkt bereits eine Grundsanierung nötig gewesen, doch es fehlten noch die finanziellen Mittel. (Bild 6)

3. Was wird aus dem Kran?

Im Jahr 2006 fällte der „Verein zur Erhaltung stadtprägender bedeutsamer Gebäude und Einrichtungen“ unter dem Vorsitzenden Dr. Jürgen Schneider den Entschluss, dass die dringend notwendige Sanierung des Hafenkrans zu teuer wäre. Da die Standsicherheit gefährdet sei, sollte der Kran abgerissen und durch einen besser erhaltenen Hafenkran aus Hamburg ersetzt werden. Am 18. Dezember 2006 wurde vom Verein der Abrissantrag gestellt.

Daraufhin schaltete sich der „Verein Alter Hafen“ mit seinem Vorsitzenden Dieter-Theodor Bohlmann ein und plädierte für einen Erhalt des denkmalgeschützten Stader Krans als maritimes Wahrzeichen der Stadt. Die für die Restaurierung veranschlagte Summe erschien ihm zu hoch. Das Angebot, sich selbst um den Kran zu kümmern, musste der „Verein Alter Hafen“ aus Zeitgründen jedoch ablehnen, da er mit dem Museumsschiff „Greundiek“ bereits ein Technik-Denkmal betreut.

Auch Dieter Kunze, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, war nicht mit einem Abriss des alten Krans einverstanden und regte an, nach anderen Lösungen zu suchen. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege empfahl ebenfalls die Erhaltung des Baudenkmals, da es sich um ein wesentliches Element des Stader Hafenbereichs handelt und zusammen mit dem gegenüberliegenden Kran der ehemaligen Firma Hagenah-Borcholte einer der ganz wenigen erhaltenen Objekte dieser Art ist. In Niedersachsen sind lediglich drei weitere ähnliche Krane bekannt. Diese befinden sich Im Raum Hannover am Mittellandkanal und wurden 1912 errichtet. Doch keiner dieser Krane ist Teil einer Hafensituation, wie man sie in Stade noch vorfinden kann. Daher wurde dem Stader Kran eine sehr hohe ortsgeschichtliche, städtebauliche und bautypologische Bedeutung attestiert.

4. Rettung in Sicht

Nachdem in den Zeitungen über den drohenden Abriss und die geplante Rettung des Krans geschrieben worden war, meldeten sich schon die ersten freiwilligen Helfer. Roland Remstädt, ein pensionierter Kranbaumeister, bot sofort seine Mitarbeit an. Auch die Hamburger Firma Öko Tech, die solche Restaurierungsarbeiten gleichzeitig als Projekte in der Arbeitslosenqualifikation anbietet, nahm den Kontakt auf. Neuere Expertenschätzungen ergaben auch nur noch eine zur Restaurierung notwendige Summe, die um fast ein Drittel unter der ursprünglich veranschlagten Summe lag. Damit war der Hauptgrund, der gegen eine Sanierung sprach ausgeräumt, denn der „Verein zur Erhaltung stadtprägender bedeutsamer Gebäude und Einrichtungen“ hatte ja hauptsächlich wegen der Kosten einen Abrissantrag für den Kran gestellt. Der Vorsitzende des Vereins blieb jedoch dabei, dass ihm das finanzielle Risiko zu groß sei.

Daraufhin bot Dieter Kunze als Vorstand der „Stader Stiftung für Kultur und Geschichte / von Bürgern für Bürger“ an, den Kran zu übernehmen und zu sanieren. Letzten Endes kam ein Schenkungsvertrag zwischen der Stadt Stade und der „Stader Stiftung für Kultur und Geschichte / von Bürgern für Bürger“ zustande. Am 20. März 2007 ging der Kran in den Besitz der Stiftung über. Nun konnten zusammen mit Roland Remstädt, der schon genannt wurde, die nächsten Schritte geplant werden. Mehrere Stader Firmen hatten bereits Hilfe in Form von Sachspenden zugesichert.

5. Maritimes Erbe

Nach erfolgreicher Restaurierung und Rückkehr an den historischen Platz am Stadthafen in Stade ist der Elekrokran ein auffälliger Bestandteil der "Maritimen Landschaft Unterelbe" siehe auch: www.maritime-elbe.de