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Der Abbau des Krans am 10.4.2007

Nachdem der historische Hafenkran seinen Besitzer gewechselt hatte, wurde die Sanierung in Angriff genommen. Es war von vornherein geplant, den Kran nicht an seinem Standort zu sanieren. Stattdessen sollte er in drei Teile zerlegt und zum Stader Technikmuseum gebracht werden. Dort sollten dann alle Arbeiten von ebener Erde aus erfolgen.

Die Arbeiten am Kran begannen mit dem Aufstellen des Gerüstes, von dem aus die Monteure das Zerlegen des Krans in die Wege leiten sollten. Nach eingehendem Studium der zur Verfügung stehenden Unterlagen hatte sich Herr Remstädt für eine Dreiteilung des Krans entschieden. Zunächst sollte der Ausleger vom Windenhaus getrennt werden. Als zweiter Schritt sollte das Windenhaus vom Portal abgehoben werden und schließlich war der Abbau des Portals selbst vorgesehen.

Am 10. April 2007 war es dann soweit; die Demontage des Krans lief an. (Bild 1) Von ortsansässigen Firmen war ein Autokran sowie ein Tieflader zum Abtransport der Teile zur Verfügung gestellt worden. Mitarbeiter einer örtlichen Baufirma sowie einer Gerüstbaufirma waren vor Ort, um die Arbeiten tatkräftig zu unterstützen.

An den vorhergehenden Tagen waren unter der Leitung von Herrn Remstädt bereits Anschlaghilfen am Ausleger angebracht worden, um bei der Demontage nichts zu beschädigen. Anhand der vorliegenden Unterlagen waren die Schwerpunkte der einzelnen Kranteile errechnet worden, so dass bekannt war, wo die Seile angeschlagen werden mussten. Noch ahnte niemand, welche Schwierigkeiten trotz der sorgfältigen Planung noch auftreten sollten.

Zunächst musste das Gegengewicht abgenommen werden. Dafür wurden unter dem Heck des Windenhauses zwei Kettenzüge angebracht, um ein Kippen des Krans in Richtung Ausleger zu verhindern. Dann wurde das Gegengewicht am Autokran angeschlagen, um es abzuheben. Die Masse des Gegengewichts war zuvor auf etwa 4 bis 5 t berechnet worden, doch obwohl der Autokran mit der erforderlichen Hubkraft anzog, rührte sich nichts. Die Überraschung der Beteiligten wuchs, als die Hubkraft stetig gesteigert wurde und sich noch immer nichts tat. Erst als der Autokran mit über 10 t zog, gab es einen Knall und ein vergleichsweise kleines Teil des Gewichts (etwa 10 % des Gesamtvolumens) hing am Haken in der Luft.

Nach einer eingehenden Untersuchung des abgerissenen Teilstücks zeigte sich, dass die Materialzusammensetzung eine andere als erwartet war. Statt aus normalem Stahlbeton bestand das Gegengewicht aus unterschiedlichsten Eisenstücken, die mit Zement „verkleistert“ worden waren. Deshalb war davon auszugehen, dass das Gegengewicht eine etwa doppelt so hohe Masse haben würde, wie zuvor berechnet. Dies konnte im Voraus jedoch nicht genauer geplant werden, da keine aussagekräftigeren Unterlagen über das Gegengewicht zur Verfügung standen. Nachdem man nun wusste, was einen erwartete, gingen die Arbeiter daran, auf halber Höhe des Gegengewichts zwei vorhandene Vertiefungen durchzustechen, um an dieser Stelle die Ketten durch das Gewicht hindurch ziehen zu können. Als der Autokran nun zum zweiten Mal anzog, riss das Gewicht wie erwartet an der Stelle, an der die Ketten saßen, und das zweite Teil konnte geborgen werden. (Bilder 2 bis 4)

Schließlich wurde das noch auf dem Kran verbliebene dritte Teil angeschlagen, doch dieses widersetzte sich allen Versuchen, es vom Kran herunterzuheben. Zwei Arbeiter wurden mit Presslufthämmern auf das Gerüst geschickt, um die Auflagefläche des Gegengewichts auf dem Kran freizulegen. Es zeigte sich, dass in das Gewicht zwei Stahlrohre eingegossen worden waren, die man mit der Grundkonstruktion verschweißt hatte. Erst nachdem diese Rohre mit dem Schneidbrenner durchtrennt worden waren, konnte auch das letzte Teil des Gegengewichts geborgen werden. (Bild 5) Insgesamt hatte das Gegengewicht eine Masse von über 10t, also tatsächlich mehr als doppelt so viel, wie ursprünglich angenommen.

Inzwischen war es Mittag geworden, eine Zeit zu der man eigentlich den gesamten Kran abgebaut haben wollte. Doch es war allen Beteiligten längst klar geworden, dass der ursprüngliche Zeitplan nicht reichen würde. Daher ging man umgehend daran, den Ausleger zu demontieren. (Bilder 6 und 7) Um den Zeitplan nicht völlig zu sprengen, kam auch hier der Schneidbrenner zum Einsatz. (Bild 8) Trotzdem war es mittlerweile 14.00 Uhr geworden, als der Ausleger abgehoben werden konnte (Bilder 9 und 10); ein Zeitpunkt also, an dem nach der ursprünglichen Planung der Kran komplett abgebaut sein sollte.

Nachdem der Ausleger sicher am Boden angekommen war (Bild 11), machte man sich daran, das Windenhaus vom Portal zu trennen. Hier traten die nächsten Schwierigkeiten auf, denn nachdem alle Schrauben gelöst waren, ließ sich das Windenhaus immer noch nicht abnehmen. Schließlich behalf man sich abermals mit dem Schneidbrenner und durchtrennte die Königswelle, auf der sich der gesamte Oberbau des Krans dreht. Erst jetzt konnte auch das Windenhaus sicher abgehoben werden. Auch hier stellte man im nachhinein ein höheres Eigengewicht fest, als ursprünglich angenommen. Nun musste nur noch das Portal von seinem Standplatz weichen.

Portal und Windenhaus wurden noch am selben Tag zum Verkehrs- und Technikmuseum verbracht. Störende Verkehrszeichen und Straßenlampen auf dem Weg waren bereits im Vorfeld von den Stader Stadtwerken demontiert worden. Lediglich der Kranausleger passte nicht auf den bereitgestellten Tieflader, er war schlicht zu lang. Daher konnte der Ausleger erst am 13.06.2007 zum Museum gebracht werden, als eine andere Firma vor Ort einen größeren Tieflader zur Verfügung stellen konnte. Nachdem auch die „Kleinteile“ wie die Reste vom Gegengewicht und der Greifer umgezogen waren, hatte man am Museum endlich alle Teile beisammen.